Der Wasserhahn läuft, das Radio ist laut an. Ich schwitze, mein Kopf wird rot, ein paar Tränen laufen mir die Wangen herunter. Langsam stoßweise kommt das Würgen. Das Kotzen .Hoffentlich haben der Wasserhahn und das Radio es übertönt.

Eben noch ging es mir gut, ich habe gefressen, Schokoladenpudding, Müsliriegel, Schokoriegel, Brot, Joghurt, das Paradies auf Erden. Nein, eigentlich nicht, ich habe nicht einmal wirklich gemerkt, dass ich etwas gegessen habe, dass es mir geschmeckt hat. Es hat mir auch nicht geschmeckt, es hat mir gut getan. Es hat meine Gedanken abgestellt. Einfach Fressen.

„Die Sachen sind für meine Geburtstagsfeier, bitte esse sie nicht.“, sagte meine Mama zu mir. „Könntest du sie nicht irgendwohin wegpacken?“, fragte ich sie. „Meckere nicht immer rum. Sie können da doch liegen bleiben.“, sagte meine Mama gereizt. „Dann sind sie vielleicht später nicht mehr da.“, sagte ich. „Erzähle nicht so einen Quatsch.“, sagte meine Mama.

Was hätte ich ihr sonst sagen sollen „Du Mama, ich habe Bulimie, ich kann nicht kontrollieren, wie viel und was ich esse, ich schaufle es einfach in mich hinein. Packe diese Sachen deswegen bitte mit.“? Sie hätte mich irritiert angeschaut und gesagt „Erzähle nicht so einen Quatsch.“ oder sie hätte übertrieben reagiert „Oh mein Gott, wie kann ich dir helfen.“ und dann hätte sie angefangen zu weinen und mich die nächsten Tage kontrolliert, bewacht und zu mehreren „ernsten Gesprächen“ gebeten. Am Liebsten hätte ich ihr das gesagt, nur ihr, es müssten ja nicht alle wissen. Es würde sowieso keiner glauben „Die Erfolgreiche“, die so gut in der Schule ist, die immer so ausgeglichen scheint, soll ihr Essen in sich hineinstopfen und es dann wieder auskotzen? Unvorstellbar!

Ich fresse, damit es mir besser geht, damit ich nicht mehr denken muss. Dabei geht es mir hinterher schlechter, ich fühle mich fett, widerlich, mir geht es alles andere als besser, denken muss ich trotzdem.

Ich kenne mich aus in meiner Krankheit .Ich weiß welche Krankheit ich habe. Es ist bescheuert, ich weiß, was ich mir damit antue, ich weiß, dass ich daran sterben kann und trotzdem kann ich damit nicht aufhören. Ich kann nicht aufhören mit dem Essen, manchmal nach einem Fressanfall schaffe ich es ein paar Tage nichts zu Essen, die Kalorien wieder abzubauen, aber dann fresse ich wieder. Ich liebe das Essen. Inzwischen nicht mehr. Ich will schlank sein. Dünn. Ich hasse meinen Körper, ich hasse meine Fressanfälle die über dem Klo enden.

Bulimie ,aus dem griechischen und bedeutet Stierhunger. Ich weiß, dass meine Speiseröhre einreißen kann, dass sie verätzt wird, genauso wie mein Magen. Ich weiß, dass meine Zähne kaputt gehen, meine Haare ausfallen können, meine Haut austrocknet, alles Sachen die mich nicht schöner machen. Ich weiß, dass mein ganzer Hormonhaushalt durcheinander geht. Das ich irgendwann daran sterben könnte, wenn ich so weiter mache. Ich weiß, dass Dünnsein alleine nicht schön machen sollte, aber es tut es.
Ich kann an nichts anderes als mein Essen mehr denken, daran wie ich es beschaffe und daran, wie ich es noch länger verstecken kann. Es ist mir peinlich. Mehr als peinlich.

Mir geht es gut, bis die nächste dumme Bemerkung kommt, bis ich wieder esse, Pizza, Kuchen mit Sahne und dann Kotze...und keiner merkt etwas, wie denn auch ?
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