Beinahe jeder Knochen ihres ausgemergelten Körper ist unter ihrer Kleidung sichtbar. Ihr Kopf erscheint überdimensioniert, ihr Blick starr auf einen Punkt in der Ferne fixiert. Immer wieder unterbricht sie ihre langsamen gutdurchdachten Sätze und wendet mir für einen Bruchteil einer Sekunde ihr knochiges Gesicht zu, also ob sie überprüfen wolle ob ich noch da bin.
Eineinhalb Jahre leide sie jetzt schon an „ihrer Krankheit“, erzählt sie mir. Sie spricht von „ihrer Krankheit“, genauso wie andere Leute von „ihrem Hund“ sprechen. Krampfhaft meidet sie das Wort Magersucht oder den medizinischen Fachbegriff Anorexia nervosa.
Vor eineinhalb Jahren sagt sie, sei sie ein hübsches, bei allen beliebtes und dennoch beneidetes Mädchen gewesen und beschreibt sich im gleichen Satz noch als perfektionistisch, ergeizig.
Und wie siehst du dich heute frage ich sie. „Hässlich“, antwortete sie leise, fragte ob ich hungrig sei und fängt an ohne meine Antwort abzuwarten mir Essen hinzustellen. Sie entschuldigte sich, dass sie nur Diät-Produkte habe, und beginnt von ihren abgebrochenen Therapien zu erzählen. Freiwillig ist sei sie nie hingegangen, einmal versucht sie mir glaubhaft zu versichern, habe sie es beinahe geschafft, in einer Zeitschrift las sie dann von einer Turnerin, die zwei Kilos leichter als sie zu dem Zeitpunkt war. Von da an blieb sie noch kurze Zeit in der Klinik bis sie die inzwischen zweite Therapie nach über 5 Monaten abbrach. Seitdem lehnt sie jede Therapie ab, hat sogar ihre psychologische Weiterbetreuung abgebrochen. Sie musste meinen betroffenen Blick bemerkt haben und erzählt eine in ihren Augen entetzlich lustige Anekdote von einem Zahnarztbesuch vor wenigen Wochen, als sie der Zahnarzt fragte – bevor er ihr eine Spritze gab –, ob sie schwanger sei. Empört sagte sie mir, sie hätte mit 15kg mehr schon lange keine Kinder mehr bekommen können. Beim Blick auf die Uhr springt sie auf und fängt an ihre Sportsachen zusammenzupacken, nebenbei erzählt sie, dass sie jetzt dann noch in der Schule Sportunterricht habe. Sie hat wie jede Woche Angst es nicht auszuhalten und zusammenzubrechen, nicht mehr in der Lage zu sein ihre Leistung zu erbringen. Vom Sportunterricht lässt sie sich nicht befreien, aus Angst sie wird wie schon einmal vom gesamten Unterrichtsgeschehen bis sie eine Therapie erfolgreich abgeschlossen hat ausgeschlossen. Damals ging sie in eine Klinik, danach wechselte sie die Schule, weil sie nicht zurück wollte. Sie ist jetzt froh an der anderen Schule zu sein, sie versucht sich einzureden niemand wüsste von ihrer doch offensichtlichen Krankheit. Ein Schulausschluss sei für sie ein Weltuntergang, die Schule und die guten Noten sind das einzige auf das sie sich verlassen könne. Sie weiss dass es vernünftiger wäre nochmals eine Therapie konsequent zu machen, aber sie will trotzdem nicht mehr:
„Ich weiss dass ich jetzt hässlich aussehe und schwach bin, wenn ich wollen würde, würde ich es schaffen können, aber ich kann mich nicht dazu entschließen zu wollen, ich habe Angst.“

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