Wr haben April, ich trage einen Schal und eine dicke Jacke. Trotzdem friere ich fürchterlich. Meine Hände frieren und die Haut auf meinem Handrücken ähnelt Pergamentpapier. Auf meinen Wangen liegt ein frostiger Flaum und der Wind scheint mir durch den Körper zu pfeifen. Ich komme mir klapprig, schwach und zerbrechlich vor.
Gerade in diesen Tagen herrscht starker Wind und dabei wünsche ich mir den Sommer doch so herbei…. Endlich Röcke tragen, in denen man meine dünnen Oberschenkel und meinen dünnen Hintern nicht sieht. Endlich nicht mehr angesprochen werden… Wut steigt in mir hoch. Ich würde so gerne all meine Jeans wegschmeissen, denn sie passen nicht mehr. Sie schlackern und ohne Gürtel würden sie herunter rutschen. Aber zunehmen, um wieder hinein zu passen, um wieder eine weibliche Figur zu bekommen, will ich um keinen Preis. Nein, obwohl ich klapprig bin und zerbrechlich aussehe, gefalle ich mir. Und sowieso war ich früher „fett“!
Jeden Tag dasselbe Spiel: sich morgens aus dem Bett quälen, aber voller Vorfreude. Voller Vorfreude darauf, zu sehen, was die Waage anzeigt. Wieder ein paar Gramm weniger. Braves Mädchen, böses Mädchen… Warum nur ein paar Gramm? Das könnte mehr sein..
Dann überlege ich, wie jeden morgen, was ich essen darf, und was nicht. Um jedes Gramm wird gekämpft. Bloß nicht zu viel. Am besten nichts. Und wenn ich essen muss, weil ich unter Kontrolle stehe, zwinge ich mich, Sport zu treiben. Bis zur Erschöpfung treibe ich Sport, nur um die Kalorien loszuwerden. Aber wenn ich nicht unter Kontrolle stehe, nutze ich jede Gelegenheit aus Essen einzusparen.
Meine Beine tragen mich kaum noch den unglaublich steilen Berg hinauf. Ich habe das Gefühl, als würden sie jeden Moment schlapp machen und ich würde dann wie eine hölzerne Marionette zusammen fallen, der man die Schnüre durchgeschnitten hat. Ich habe schrecklichen Hunger und schaue gierig in die Schaufenster der Bäckereien und Konditoreien, an denen ich vorbei gehe.
Als ich an der dritten vorbei komme, gehe ich hinein. Ich kaufe mir ein Brötchen. Es ist noch warm und wärmt mir meine eiskalten Hände. Ich achte immer peinlichst darauf, dass keiner meine Hände berührt, dass keiner merkt, was mit mir „los ist“.
Zu gerne würde ich in das Brötchen beißen, aber ich kann nicht. Die böse Stimme in mir verbietet es mir, sie treibt mich an, durchzuhalten. Warum essen, wenn du auch ohne kannst, sagt sie.
Ich höre auf sie, gebe ihr Recht und nehme das Brötchen zerpflücke es in kleine Stücke und streue es auf die Straße.
Alle machen sich furchtbare Sorgen um mich und vielleicht ist es auch das, was ich immer wollte, aber je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr tut es mir Leid. Ich möchte ihnen ja nicht wehtun und ihnen Sorgen bereiten, aber ich kann nicht anders. Können sie das denn nicht verstehen? Diese Angst, dick zu sein, ist größer, als dass ich ihr nachgeben und anfangen könnte zu essen.
Ich hungere weiter, um jeden Preis…

Heute:

Ich habe meine Magersucht beinahe überwunden. Ich esse normal und mag mich selber. Und ich meine es ernst, wenn ich das sage. Die Leute sprechen mich nicht mehr darauf an, nur um mir zu sagen, dass ich immer besser aussehe. Und wenn ich mal ein paar Gramm oder auch ein Kilo zunehme, stört mich das vielleicht ein ganz klein bisschen.
Warum die Einsicht? Durch langes Kämpfen gegen meine Sucht und meine innere Stimme habe ich erfahren, dass mein Körper mir gehört und er es nicht verdient hat, solchen Spielchen ausgesetzt zu sein. Immerhin ist er einmalig.

 

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